Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

KILLESBERGHÖHE

2 Zwei WAGEN Ein Mittwoch im Oktober, wieder grau. Es ist 10 Uhr, wir sind mit Bettina R. verabredet. Sie ist 56, Hausfrau, verheiratet, ebenfalls Mutter dreier Kinder (30, 27, 18) und mit ihrem Mann Besitzerin eines 240-Quadratmeter-Hauses am Killesberg. Wie oft kaufen Sie denn ein, Frau R.? „Eigentlich täglich, weil’s ja so nah ist. Meistens ganz spontan, mit Einkaufszettel nur, wenn wir Gäste haben.“ Und wo gehen Sie zum Einkaufen hin? „Zu ALDI und zu Weckert, je nachdem, was ich will. Aber ich fahre auch mal in die Stadt, zu einem Feinkostladen oder in die Markt- halle oder zum Metzger.“ Frau R. sieht aus, wie sich Karl Klischee eine Killesberg-Lady vor- stellt: sehr gepflegtes Äußeres – von der modischen Kleidung bis zum wertvollen Schmuck. Und sie kennt Gott und die Welt. Hier ein „Hallo!“, dort ein „Grüß Gott!“, und das war – an der ALDI-Kasse hinter ihr – ein Professor von der Uni Hohenheim. Ihr monatliches Lebensmittel-Budget: 1.500 Euro. Was kaufen Sie am häufigsten ein? „Käse, Joghurt, Obst – Trauben und vor allem Mangos, die mögen mein Mann und ich am liebsten.“ Was würden Sie gerne mal kaufen? „Schöne Wurst.“ Und was essen Sie selbst am liebsten? „Fischgerichte. Und Raclette.“ So ein Käse, die 50 Euro scheinen aufgebraucht. Systematisch ist Frau R. alle der sechs Gänge des Discounters abgegangen, hat hier hin und da hin gegriffen, und der Wagen hat sich im sprichwört- lichen Handumdrehen gefüllt. Mit dem, was man so braucht: Champagner, Wildlachs, Meeresfrüchte, Parmesan, Bio-Cherry- tomaten, Bio-Bananen, Bio-Kartoffeln, gewalzte Bandnudeln, Cashewkerne, Schokolade, Olivenöl, Saft. „Macht 46,80!“ sagt die Kassiererin. Macht nix, denkt Frau R., verstaut alles in ihren schicken Rollwagen und verabschiedet sich. Danke, dass wir Sie begleiten durften. 19Interview

Pages