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Killesberghöhe Magazin

1904 baute ein Chefarzt des Diakonissen-Krankenhau- ses für sich und seine Familie ein repräsentatives Wohnhaus am damals noch stillen Herd- weg. Im Zweiten Weltkrieg wurde der 900-Quadratmeter- Prachtbau durch Brandbom- ben zerstört, danach ohne Dachstock wieder aufgebaut und in den Folgejahren als Wohn- und Bürohaus genutzt. Irgendwann stand er leer und zum Verkauf. Später wurde das herrschaftliche Gebäude an der Ecke Herdweg/Sattlerstraße veräußert. 1,8 Millionen Euro kostete das Grundstück, 3,2 Millionen Euro der Wiederaufbau nach alten Plänen. 110 Jahre später wäre der längst verstorbene Arzt stolz auf das, was aus seinem Haus geworden ist: eine Heimstatt des Bangens und Hoffens, aber auch des Glaubens und Lebens für die Eltern krebs- kranker Kinder. Rund 650 Familien hat das Blaue Haus seit seiner Eröffnung 2012 beherbergt. Väter und Mütter aus vieler Herren Län- der – aus Russland, arabischen Staaten, Asien oder auch dem Länd- le. Sie alle fanden und finden hier in 18 Appartements für je zwei bis drei Personen einen ruhigen Hafen in einer für sie unruhigen Zeit; während kurzer Therapiephasen, aber auch für Monate. Ohne Von- Pontius-zu-Pilatus-Lauferei und langwierigen Papierkrieg, durch die Vermittlung der behandelnden Ärzte und den kurzen Draht zum Haus. Einen guten Draht zu Sponsoren bewies der Förderkreis bei der Finanzierung des Projekts, die schwerlich von einer einzigen Institu- tion oder gar Person zu bewältigen war. Dankenswerterweise konnten neben der Investition nicht unerheblicher Eigenmittel namhafte Spen- der wie die Kinderhilfsaktion Herzenssache, EnBW und LBS, Lions Club Stuttgart-Rosenstein und Rotary-Stiftung Stuttgart, die Aktion Weihnachtsmann & Co., die Eva-Maria-Stihl-Stiftung und eine unge- nannte Familie gewonnen werden. Was Initiatoren und Sponsoren, kleine und große Spenden be- wirkt haben, schafft Eltern, Geschwistern und zeitweise auch den kleinen Patienten, sogar verwaisten Eltern, eine Oase des Aufatmens und des Beisammenseins – in lockerer Runde oder geführten Ge- sprächskreisen, beim gemeinsamen Kochen, bei Töpfer- oder Mal- kursen. Es sind Plätze für Gemeinsamkeit oder Abgeschiedenheit; sei es in der geräumigen, gut ausgestatteten Küche und dem gemütlichen Wintergarten, dem mit allerlei Spielzeug vom Kuscheltier bis zum Bobbycar reich bestückten Kinderzimmer bis zu den wohnlichen Elternschlafzimmern mit Kitchenette und Bad. In allen herrschen trotz oder gerade wegen des bedrückenden Aufenthaltsgrunds Leben und oft genug sogar frohes, befreiendes Lachen. Dass Freude und Dank- barkeit nach der Heimreise nicht enden, zeigen rührende Briefe und auch lang anhalten- de Kontakte ehemaliger Gäste. Gesten, Worte, Briefe oder nur ein kleines Lächeln sind der Lohn für die vier ehrenamtlich tätigen Vorstände und die we- nigen fest angestellten Mitar- beiter des Hauses. Was bewegt Prof. Dr. Nä- gele, Jurist und Partner einer Stuttgarter Kanzlei, zu seinem Engagement? Er will andere für sein Thema wach rütteln, Neugierde wecken, Aufmerksamkeit schaffen. Was ihm nicht zuletzt mit dem blau leuchtenden Kunstwerk Nikolaus Koliuisis’ gelang, das dem Haus den Namen gab. Aus gutem Grund. So heißt auch das Buch darüber, das gerade erschien. Aus gutem Grund blau – die Farbe, die für Himmel und Wasser, Sehnsucht und Sympathie, Harmonie und Zufriedenheit steht. Hier wird Blau gelebt. Während wir all das erfahren, sitzen wir in einem fein möblierten Wohnzimmer an einem massiven, edel polierten Naturholztisch mit langen Sitzbänken. In einem Teil des großen Raums lädt ein knallrotes Ledersofa mit passenden Sesseln ein, die als farbige Hingucker auch schon im weitläufigen Entree begrüßen. Professor Nägele und Cornelia Völklein führen uns anschließend durch die zwei Etagen des Repräsen- tativbaus. Er heißt zwar Blaues Haus, ist aber vor allem ein strahlend weißes Haus. Trotz des grauen frühherbstlichen Tages vermitteln alle Räume Helligkeit, Licht, Hoffnung. Auf ein Leben ohne Krankheit. Eine berechtigte Hoffnung. Durch die Lebensfreude, die dieses Haus vermittelt, die Leistung der Ärzte und die Statistik: 70 Prozent der Kinder werden geheilt. Wir wünschen es allen. Cornelia Völklein und Prof. Dr. Stefan Nägele Kinderwünsche im Wind 52 REPORTAGE

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